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 Hoher Berg

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Duncan Neamh
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BeitragThema: Hoher Berg   Di Apr 21, 2015 11:51 am


Ein hoher, offensichtlich schwer zu besteigender Berg. Besticht dadurch, dass seine Spitze weit über den Wolken liegt- und dass der Gipfel dauerhaft von Schnee bedeckt ist. Lange schon hat sich niemand auf diesen Berg gewagt- bis jetzt.
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Duncan Neamh
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BeitragThema: Re: Hoher Berg   Di Apr 21, 2015 11:51 am

[Cf: Wohnung der Rodaris]

Groß und mächtig ragte der Berg über ihm auf. Lange starrte Liam ihn an, ehe er sich ein Herz fasste. Die Spitze seiner Arbeitsstiefel gegen den Fels stemmte, mit der bionischen Hand nachgriff- und sich an den Aufstieg machte. Nach wenigen Metern brannten seine Muskeln bereits wie Feuer- aber es war ihm egal. Das Training, was er brauchte, konnte er nur dort oben erhalten. Dort, wo die schneidenden Winde die Spitzen umtosten, wo selbst wenn im Tal die Sonne die Menschen verbrannte Schnee lag, wo es immer kalt genug war, dass man einen freien Verstand bewahrte. Meter um Meter kämpfte er sich vorran. Liess dort, wo keine Felsvorsprünge Halt für seine Hand boten, einfach neue Vorsprünge aus Eis wachsen, schlug Haken in Felsspalten, woran er sich nach Oben ziehen konnte. Sprengte kleine Spalten zu großen Haltemöglichkeiten wo er es musste, indem er sein Eis einfach darin wachsen ließ und es damit sprengte. Bald schon wurde die Luft merklich kälter- und nicht weit über sich konnte er schon die weißen Bäusche der Wolken sehen, die sich wie ein Ring um den Berg zogen und ihm den Blick auf die Spitze verwehrten- doch selbst sie konnten ihn nicht aufhalten. Seltsam... ich hätte gedacht dass sie sich anders anfühlen... Auf einem Felsvorsprung ruhte er sich aus. Blickte er einen Augenblick lang auf die Welt dort unten, die, nur schleierhaft durch die Wolken erkennbar, dort unten weiterlebte, während er hier oben sein Schicksal suchte.  Dachte darüber nach, wer dort unten vielleicht gerade sein Schicksal suchte. Seinen Blick in die Wolken richtete, um dort Antworten auf seine Fragen zu finden. Selbst Chizuka war dort unten irgendwo. Hatte nicht gesagt, wo sie hinwollte- aber vermutlich suchte auch sie gerade irgendwo ihren Weg. Ein Wenig wunderte er sich über seine eigenen Gedanken- der Arzt in ihm wies ihn darauf hin, dass es vermutlich die dünne Luft war, die seine Gedanken so im Kreis laufen ließ. Noch einen Moment blieb er sitzen. Genoss die Kühle des Tages, die hier Oben nochmal ein paar Grad kälter war. Er war froh, dass er die Shivered Destiny unten zurückgelassen hatte- der Speer hätte  ihn hier oben nur behindert, und die fokussierende Wirkung, die die Kühle des Speeres auf seinen Verstand hatte, würde die Mühsal, die es erfordern würde die Waffe hier hochzuschleppen nicht ausgleichen. Er erhob sich wieder. Klopfte sich den Schnee von der Hose, zog sich die Jacke aus. Zog sich die Ärmel um die Hüfte, um sie vor dem Bauch zu verknoten, und band noch zusätzlich den Ärmel mit einem Lederband am Gürtel fest um die Jacke nicht doch noch zu verlieren. Dann machte er sich wieder an den Aufstieg. Zog noch einmal die Handschuhe richtig an, ehe er die Fingerspitzen in die Wand stieß und sich weiter nach Oben zog, Zug um Zug. Das Klettern wurde einfacher- immer wieder waren Felsnasen mit Eis überzogen, dass er mit seiner Magie in Kletterhilfen verwandeln konnte, und so kam er besser vorran. Sein Geist klarte sich. Sein Verstand wurde immer mehr von einer durchdringenden Ruhe erfasst.

Die Kälte ließ in ihm Erinnerungen aufsteigen. Sich und Chizuka im Haus der Rodaris, wie sie zusammen ihre wenigen schönen Augenblicke genossen. Die harten Aufgaben, die Dr. Leonard Rodari für den damals noch deutlich jüngeren Magier vorgesehen hatte, häufig mehr Folter als wirklich konstruktive Trainingsmethoden. Die kalten Nächte im undichten Verschlag, die er irgendwann mehr Lieben gelernt hatte als das Schlafen im Haus. Und immer wieder auch Szenen, die Liam nicht einordnen konnte. Szenen, die offenbar in einem Stadthaus spielten- nicht in der Landvilla der Rodaris. Szenen vor einem großen Kamin, über dem ein mächtiger Speer an der Wand hing. Szenen, in denen ein deutlich jüngerer Liam, kaum dem Säuglingsalter entwachsen, mit einem Krieger aus Holz spielte- ein Liam mit zwei Armen, mit zwei gesunden, vollständigen Armen, ein Liam ohne das inzwischen so charakteristische Implantat. Die Szenen verstörten den Kletterer. Zwangen ihn dazu, einen Moment halt auf einer Felsnase zu machen. Was waren das für Erinnerungen? Die Gesichter in diesen Erinnerungen waren verschwommen, wie Gesichter auf einem Bild, das Wasser gezogen hatte. Er war nicht in der Lage, irgendwen zu erkennen- allgemein waren die Erinnerungen wie eine Ölpfütze in einem Wasserfass, wenn er danach griff, entschwanden sie, tauchten unter seiner tastenden mentalen Hand weg- so dass sie wage blieben, er nicht in der Lage war, sie wirklich zu fassen zu bekommen. Immer konzentrierter versuchte Liam sie zu fassen, fast schon verzweifelt, griff nach ihnen wie ein Ertrinkender nach einem Rettungsring- doch vergeblich, zu wage waren seine Gedanken. Einen Augenblick lang bleib er einfach sitzen. Musste fast schon Tränen unterdrücken, so sehr fühlten sich diese Erinnerungen gleichzeitig fremd und doch so unendlich, so schmerzhaft vertraut an. Schließlich hob er sich wieder aus dem Schnee. Blickte auf den kalten, unbarmherzigen Stein. Und konzentrierte sich auf den Aufstieg. Schlug jede Erinnerung, die in ihm aufkam wie ein Galleschwall nach einer durchzechten Nacht einfach nieder, schluckte ihn herunter, ließ ihn nicht seinen Verstand beherrschen- zwang seinen Verstand dazu dass es nur ihn, den Berg und die kalte Luft gab, während er sich deutlich aggressiver als es für seine geschundene Haut gut war weiter den steinigen Steilhang hinaufarbeitete, Hand nach Hand, Griff nach Griff, Atemzug nach Atemzug. Dieses Mal erlaubte er es seiner Magie nicht es ihm einfach zu machen- mit purer, schmerzhafter Leistung seines Körpers drang er auf den Berg ein, bearbeitete er dessen Rücken, schlug er seine Finger immer wieder tief in die steinigen Narben des Giganten. Grunzend stieß er immer wieder die Luft stoßweise aus, setzte darauf, das Schmerz und Erschöpfung seinen Geist schon bald beruhigen würden, dass er schon bald zu Müde für falsche Erinnerungen wäre. Seine Finger bluteten, seine Muskeln brannten, und sein Rücken protestierte. Aber er hatte ein Ziel. Und das würde er erreichen. Dachte er. Doch er hatte die Rechnung ohne den Berg gemacht, der wohl seine Niederlage gegen die Kraft der menschlichen Willensstärke nicht so einfach aufgeben wollte. Gerade hatte sich der Fairy Tail-Magier um eine Felsnase herumgeschwungen und sich auf sie heraufgewuchtet, da traf ein Hindernis auf ihn, das wohl nicht so leicht zu bezwingen wäre.

Aus dem Felsen hatte sich wohl durch einen Erdrutsch, oder vielleicht durch eine wieder zufrierende Ansammlung von Eis, eine riesige Lücke gebildet- zu hoch, um einfach darüberzugreifen, und breit genug, dass ihn das Umklettern einige Stunden kosten würde. Leise fluchte er. Blickte ratlos auf den kahlen, glatten Felsen. Und setzte sich für einen Moment frustriert in den Schnee, wühlte in dem weissen, nassen Glück unter seinem Hintern, suchte in den Flocken einen Weg hinauf- ohne Erfolg. Und mit dem Aussetzen seiner Übungen begannen auch wieder neue Erinnerungen aufzukeimen. Ein junger Liam, vielleicht fünf, vielleicht sechs Jahre alt. Er saß auf einem Schaukelpferd, schwang mit viel Elan einen kunstvoll geschnitzten Holzspeer gegen imaginäre Gegner, schaukelte immer schneller, bildete sich in seinem kindlichen, phantasievollen Verstand wohl einen wilden Ritt vor, auf in neue Abenteuer. Immer heftiger wippte das Schaukelpferd- und das breite Grinsen in Jungliams Gesicht verzog sich immer mehr in Richtung von Furcht, als der Liam in seiner Erinnerung wohl merkte, dass er das Pferd nicht mehr stoppen konnte. Inzwischen klammerte er sich mit beiden Händen an das Pferd, hatte den Speer fallen gelassen. Doch es brachte nichts. Gegen den Schwung des hölzernen Tieres brachte alle Klammerkunst nichts. Mit einem leisen Schluchzen ging der Held der Fantasie zu Boden, schlug hart mit dem Knie auf- und begann in heldenhafte Tränen des Schmerzes auszubrechen. Doch durch den Schleier der Tränen seiner Erinnerungen hörte er etwas anderes. Eine sanfte Stimme, die fast sofort seine Schmerzen zu lindern vermochte. Immer noch war er nicht in der Lage, das Bild zu klären. Aber die Stimme in seinem Kopf redete ihm gut zu, streichelte seinen Kopf, nahm ihn in den Arm. Für den Liam der echten Welt war es zu viel. Seine Versuche, das  Gesicht zu erkennen, sorgten für peinigende Kopfschmerzen- und länger hielt Liam diese Schmerzen nicht aus. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung kristallisierte sich die Luft zu einer Leiter. Sorgte der Ausbruch der Magie dafür, dass aus den Nasenlöchern und den Augenwinkeln des Zauberers feine Blutfäden, die an der kalten Luft beinahe sofort gefroren, sickerten- aber die Leiter war stabil. Wie ein Wahnsinniger auf dem weg zu seinem durchgedrehten Kreuzzug erklomm Liam die Stufen, hetzte er sich ab, wieder genug zu tun zu bekommen dass er wieder in grimmiger, gedankenruhiger Anstrengung weiterklettern konnte- und es wirkte. Je länger er aufstieg, desto weniger Energie hatte er für seine Gedanken- und sie verstummten, endlich. Die Hände riss er sich an den scharfen Kanten der blitzartig, viel zu grob entstandenen Leiter noch weiter auf- aber es war ihm egal, sogar Recht, denn der Schmerz dämpfte die verdammten Erinnerungen, deren Ursprung zu erkunden er zu schwach war, noch weiter ab, der Schmerz gab ihm ein Subjekt, auf das er sich konzentrieren konnte. Der Schmerz war in dieser Sekunde ein Freund- ebenso wie die Kälte, die in diesen Höhen selbst für ihn unangenehm zu werden begonn. Doch auch gegen die schneidende Kälte ging er nicht vor. Konzentrierte sich vielmehr weiter auf den Aufstieg. Auf ein Ziel. Ein Ziel, dass ihm erlaubte, seinen Geist zu fokussieren.

Immer mehr eisige Flächen fanden sich auf den Felsen, je weiter er nach Oben kam. Und langsam begann er, den Umstand dass er alles aus eigener Kraft schaffen wollte zu verfluchen, darüber nachzudenken, doch wieder seine magische Kraft einzusetzen. Aber viel zu klar war ihm noch der Umstand, dass je mehr er seinem Geist erlaubte frei zu schweben, sich auf etwas anderes als Schmerz, Schweiß und Schufterei zu konzentrieren, desto mehr würden auch die seltsamen, schmerzhaften Erinnerungen zurückkehren- und er musste sich eingestehen dass er viel mehr Angst vor diesen Erinnerungen hatte als vor dem Sturz nach Unten. Doch auch seine Kraft hatte Grenzen. Auch die magisch verstärkte Kraft seines Armes hatte nicht unendlich Energie- im Gegenteil, der Umstand, dass er immer öfter den Lacrima seiner Prothese aktivieren musste um noch irgendwie vorranzukommen hatte sein magisches Reservoir an seine Grenzen gebracht. Und die roten Spuren, die er auf vielen der Felsvorsprünge  ob der tiefen Schnitte in seiner Hand, die inzwischen die einst stabilen Handschuhe durchscheuert hatten, machten ihm zunehmend Sorgen- er würde sich bald um die mit Eiskristallen durchsetzten Wunden kümmern müssen, wollte er nicht mit Blutvergiftung oder Erfrierungen kämpfen müssen- wobei er nicht sicher war, ob er noch die Kraft hatte sie zu verarzten, so sehr hatte er sich in seinem Wahn, nicht zur Ruhe zu kommen übernommen.  Gerade noch schaffte er es, sich in eine Höhle zu ziehen- wäre fast abgestürzt, hätte er sich nicht im letzten Moment selbst an den Felsen festgefroren. Erschöpft schleppte er sich hinein. Genoss den Moment Ruhe, in dem er nicht von kalten, brutalen Winden umtost war, die versuchten, ihn mit eisigen Faustschlägen zurück in die Tiefe zu prügeln. Einen Augenblick lang konnte er einfach pausieren- sich an die glatte, steinerne Wand lehnen und sich ausruhen. Genüsslich rollte er sich in die schwere Lederjacke, die er bisher um die Hüfte getragen hatte, genoss doch die Wärme, die sie ihm bald bot. Er ärgerte sich noch ein Wenig, nicht daran gedacht zu haben Feuerholz mit sich nach Oben zu bringen- aber vermutlich hätte er es ob des schweren Gewichtes sowieso längst zurückgelassen und wäre mit leichterem Gepäck weitergeklettert. So ruhte er sich einfach so aus. Langsam begann sein Geist abzugleiten. Sich wieder in verwirrende Bilder zu flüchten, die er nicht verstand- aber er hatte erreicht dass sein Verstand viel zu erschöpft war als dass er noch in der Lage gewesen wäre sich darüber Gedanken zu machen. Ohne es zu merken rutschte er stetig zur Seite, bis sein Kopf an der Steinwand ruhte. Seine Augen sich langsam schlossen. Und nur wenige Minuten später war er tief und fest eingeschlafen, träumte vor sich hin- aber immerhin dieses Mal nicht von der Vergangenheit. Dieses Mal waren seine Träume noch anderer Natur- auch wenn er nicht ganz einordnen konnte, warum er ausgerechnet jetzt einen solchen ausgemachten Unsinn träumte- ob es eine Manifestation seines überreizten Verstandes war, der einfach nur versuchte irgendwie irgendetwas zu verarbeiten, ohne Rücksicht auf Sinn, Unsinn oder gar dem Gefühl, nicht völlig den Verstand verloren zu haben.

In seinem Traum befand Liam sich auf einer großen, runden, von Schnee und Eis bedeckten Fläche, deren Ränder von zerklüfteten, scharfkantigen Bergen und Hügeln aus Eis bedeckt waren. Er hatte keine Ahnung was das hier für ein Ort sein mochte- aber er wusste instinktiv, was er hier tat. Wozu er hier war. Was das Schicksal dieses Ortes war. Dies hier war eine Arena. Ein Schlachtfeld. Ein Ort des Kampfes. Und er wusste auch, wen er hier bekämpfen würde. Wer das Ziel seines Furors werden würde- denn er konnte seinen Gegner schon deutlich erkennen. Sah ihn nur wenige Meter von sich entfernt. Was dort auf ihn zuwatschelte, scheinbar unbeholfen und in gespielter, niedlicher Tollpatschigkeit, war eine von der Natur erdachte Killermaschine. Fast anderthalb Meter groß. Das Schwarz-Weisse Gefieder nur von orangen Halsmarkierungen und einem gelborangen Ohrflecken durchbrochen. Flügel wie Schwerter, und ein Schnabel wie eine Picke. Eines der tödlichsten Geschöpfe, dass Mutter Natur jemals auf die Welt losgelassen hatte. Ein Pinguin. Mit einem wütenden Fauchen begrüßte die Kreatur fleischgewordenen Terrors den Eismagier. Funkelte ihn aus bösartigen, zusammengekniffenen Augen an. Selbst jemand der weder von Kämpfen noch von Raubtieren eine Ahnung hätte, würde erkennen- dieses Monster würde nur besiegt werden können, wenn Liam es tötete. Und so machte auch der Magier sich bereit. Liess die Welt um sich herum noch ein paar Grad kühler werden, fixierte seinen Feind ebenso scharf wie er ihn. Einen Augenblick hielten sie inne- starrten ihren Gegenüber an, musterten ihn, als würden sie darauf warten, dass der Andere den ersten Schritt tat. Und dann stürmten sie wie auf ein gemeinsames Zeichen aufeinander zu. Traft eisummantelte Faust auf brutalen Flügel. Tauschten sie erste Schläge aus. Und sofort zeigte sich eine deutliche Überlegenheit. Im Gegensatz zu seinem Rivalen war Liam keine geborene Killermaschine. Und wo der Pinguin jeden Schlag, der durch die meisterliche Abwehr des Federviehs ging wegsteckte, als wäre es ein Mückenstich, fügten selbst jene wenigen Schläge, die Liam zu parieren vermochte, ihm starke Schmerzen zu, liessen ihn aufkeuchen- ganz zu schweigen von den brutal patschenden Schlägen, die seine Abwehr passierten, die direkt auf seine Haut klatschten, ihm Hämatom um Hämatom zufügten, seine Kraft schwinden ließen. Selbstsicher schlug der Pinguin einfach immer wieder zu- und nur mit einer Notlösung vermochte der Eismagier seinem grausamen Gegner zumindest für den Moment entkommen: Er liess das Eis sich zu einer Mauer auftürmen, dick wie ein Festungswall, und stabil als wäre er aus feinstem Stahl. Liam nutzte die Chance. Brachte einige Meter zwischen sich und die Mauer, während er immer wieder ein Krachen von der anderen Seite hörte. Er verschnaufte- und sein Herz setzte einen Moment aus, als nur wenige Sekunden später das Eis seiner Mauer brach. Der Pinguin hatte sich hindurchgearbeitet als wäre die Mauer aus Papier- und wenn man dem grausamen Funkeln in den Augen des Pinguins Glauben schenken mochte, so würde er das Selbe nun mit Liam tun. Immer wieder klatschte der Pinguin die brutalen Flossen gegeneinander, ganz so wie ein Krieger des Altertums, der um seinen Gegner einzuschüchtern den Schaft des Speeres gegen seinen Schild schlägt.

Es wirkte besser als Liam es erhofft hatte. Liam rannte, rannte so schnell er konnte, immer verfolgt von den platschenden Schritten des Pinguin und vom Klatschen der todbringenden Flossen- und unberührt davon, dass die ursprüngliche, erträumte Arena keinen langen, von Eissäulen gesäumten Korridor vorgesehen hatte. Es war ihm egal. Er rannte einfach- auch wenn er fühlte, wie die Kreatur hinter ihm immer näher kam, die Schritte immer lauter wurden, je näher der Pinguin kam, seine Furcht immer größer wurde. Er wusste, er war allein, und schwach. Kein Gegner für den Pinguin, für diese blutrünstige, übermenschlich starke Kampfmaschinem für den Vogel, dessen einziger Grund aus der Hölle auf die Erde hinaufgestiegen zu sein war, Leuten weh zu tun und seinem Sadismus zu fröhnen. Er wusste auch, dass er dem Pinguin nicht entkommen konnte, dem perfekten Jäger niemand entkam- und schließlich wurde er von einem harten Flossenhieb zu Boden gerissen. Im nächsten Moment war der Pinguin über ihm, den Schnabel zu einem grausamen Grinsen verzogen. Und dann kamen sie. Die Flügel. Die gefürchteten Flügel. Immer wieder patschten sie auf ihn ein. Er versuchte noch sich zu schützen, die Hände vor das Gesicht zu halten- aber der Pinguin ließ nicht locker. Immer wieder schlug er zu, bis Liam selbst die Kraft fehlte, sich zu schützen, er einfach sich der Gewalt ergab und sich in embrionaler Stellung zusammenschlagen ließ. Langsam blendete der Traum aus. Wurde das immer weiter grinsende Gesicht des Pinguins durchscheinender, zerstob es in einer Wolke- und er wurde langsam wieder wach. Bemerkte langsam, und nach panischen Blicken in jede Richtung, dass der Pinguin nur ein Traum gewesen war. Etwas erholt, zog er sich an der Wand hoch. Ging nach draussen, um am Stand der Sonne festzustellen wie lange er geschlafen hatte- und stutzte. Offenbar war kaum eine Stunde vergangen, die Sonne nur wenig weitergewandert. Er fühlte sich allerdings erholt, als hätte er Stunden geschlafen. Etwas verwirrt, begann er den kargen Proviant, den er dabei hatte, zu vertilgen. Sich noch kurz in der windstillen Höhle zu sammeln. Er verband die verwundete Hand so gut er konnte, legte einen strammen Verband an, der ihn trotzdem nicht behindern würde- kein einfaches Unterfangen mit einer Hand. Er prüfte den Stoff noch einmal, ehe er sich wieder an die Felswand wagte. Mit neu zurückgewonnen Kräften begann, sie wieder zu erklimmen, Zug um Zug, Meter für Meter, motiviert durch den Umstand, dass er die Spitze schon zu erkennen glaubte- nur wenige hundert Meter entfernt, beinahe in greifbarer Nähe. Bald schon kam er wieder in seinen Tritt. In den Kletterrythmus, der ihn noch schneller vorrankommen ließ. Die Meter schmolzen förmlich dahin, flogen vorbei- vergessen waren die Schmerzen, vergessen die Wunden und die überstrapazierten Muskeln. Jetzt zählte nur noch das Ziel- und das war fast erreicht. Noch einmal schwang er sich um eine Felsnase, zog sich mit reiner Kraft auf den Vorsprung- und sah, wie weit er wirklich war. Noch eine letzte Kraftanstrengung- und er war oben. Blickte auf den Gipfel, ein schneebedecktes Plateau, über das in dieser Höhe kaum noch ein Wind zu wehen vermochte.

Weit und breit sah er nur Weiß, wo er auch hinblickte. Überall schien der Schnee und das Eis alles erobert zu haben. Überall? Nein. Für einen Augenblick schien Liam etwas im Schnee aufblinken zu sehen- einen roten Punkt inmitten all des Weiß, wie eine winzige Himbeere in einer Schüssel voller Sahne. Gerade glaubte er, sich versehen zu haben, dass das rote Aufleuchten nur eine Trübung seiner Sinne gewesen sei- da leuchtete es erneut auf. Neugierig kämpfte er sich durch den Schnee auf das Leuchten, dass sich nun in immer kürzeren Intervallen wiederholte, zu, stapfte durch den Schnee darauf zu- und traute seinen Augen kaum. Mitten in dieser Schneelandschaft, wo seit vermutlich einigen Jahren niemand mehr gewesen sein mochte, lag ein roter Stein, eine absolut perfekte Kugel. Und diese leuchtete immer wieder auf, wie eine Glühbirne kurz vor ihrem Tod. Vorsichtig hob der Eismagier sie auf. Bemerkte die dünne Kette, die hindurchgefädelt war- und die es als eine Art Schmuckstück auszeichnete. Das ist so seltsam... wüsste ich es nicht besser würde ich glauben dass ich noch in der Höhle liege und träume... Mit einem Schulterzucken hängte er sich den Stein um. Er war nicht hierher gekommen um sich über solche Dinge zu wundern- sondern um zu seiner Magie besseren Zugang zu finden. Und das hatte er nun vor. Mit einem leichten Schaudern zog er Jacke und Hemd aus. Setzte sich mit blankem Oberkörper in den eisigen Schnee- und ließ seine Magie fließen. Saß minutenlang in der eisigen Kälte und stimmte sich auf das unbarmherzige Element ein. Zunächst fror er erbärmlich. Hatte er das Gefühl, hier oben zu erfrieren. Aber je mehr er sich auf die Kälte einließ, desto angenehmer wurde sie, bis sie ihm schließlich kaum noch auffiel. Er merkte durchaus, dass er Magie verströmen ließ um die Kälte zu mildern- aber er bekam, so hatte er das Gefühl, immer mehr Kraft wieder als er ausgab- so als würde die Kälte ihm wieder neue Kraft schenken. Er streckte seine Sinne weiter in die Kälte. Erforschte den Schnee und das Eis um sich herum, ohne die Augen zu öffnen, so als wäre seine Magie ein siebter, übernatürlicher Sinn, streckte sie tastend aus, um noch mehr von seinem Geburtselement zu fühlen- und bemerkte, wie sein Herz immer ruhiger zu schlagen begann, so als würde sein Körper die Ruhe des ihm umgebenden Eises imitieren. Er fühlte wie seine Kraft wuchs. Wie sein Geist stärker wurde. Aber er merkte auch, dass das hier noch nicht der Ort war, den er gesucht hatte. Dass seine Wanderschaft noch nicht abgeschlossen war. Sein siebter Sinn fühlte einen Ort der Macht in der Nähe, nicht weit entfernt- aber doch noch weit genug, dass er keinen vollen Zugang dazu bekam. Langsam schlug er die Augen auf. Blickte in die Unendlichkeit des Schnees. Und erhob sich. Ignorierte den Input seiner Sinne, dass es hier weit und breit nichts gab als Schnee und zerklüftetes Eis- sondern ließ seinen Siebten, den neu synchronisierten Sinn die Führung übernehmen, sich von seinem Gefühl leiten- weiter in die Wüste dieses Eises.

Immer weiter ins Innere des Plateaus führte der von Liam wenig kreativ Eissinn getaufte Sinn ihn. Er begann schon langsam sich zu wundern wie groß dieses Plateau war- und ob er nicht einfach von seinen Sinnen getäuscht im Kreis wanderte. Aber der Sinn schien ungetrübt- und führte ihn auch durch einige Felsformationen, die auffällig genug wären das Liam sich erinnern würde sie schon einmal passiert zu haben. Auch wurde das Gefühl, hier "richtig" zu sein, sich der Quelle der Kraft zu nähern immer stärker, je weiter Liam wanderte. Und schließlich stand er vor einer Felsspalte, breit, tief- und dunkel genug dass er den Boden nicht erkennen konnte. Und doch schien der Sinn zu wollen dass er sich dort hinunterbegab. Er besah sich die Wände mit den Augen eines erfahrenen Kletterers- glatte, abgeschmirgelte Felsen, an denen man nur schwer Halt finden würde, und die selbst für Kletterhaken aus magisch wachsendem Eis eine Herausforderung wären. Sollte er wirklich hier herunter...? Da dämmerte es ihm. Er hatte es doch schon einmal begriffen gehabt. Es ging nicht darum, was seine Sinne ihm mitteilten. Es ging darum, seinem neuen Sinn zu vertrauen, der in dieser Umgebung stark war wie noch nie, so stark, dass er ihn erst jetzt wirklich wahrnehmen konnte (und er vermutete, dass er ihn überhaupt nur hier wahrnahm- in dieser Welt, wo die Kälte und das Eis unbestrittener, unangefochtener Herrscher waren). Und dieser Sinn forderte von ihm, sich von dieser steinernen Klippe nach Unten zu stürzen- verlangte Gehorsam, Vertrauen, dass er sich nicht auf Logik und Verstand verließ- sondern auf die Herrscher dieses Plateaus, auf die Gunst des so missgünstigen Eiselementes. Und er gehorchte. Ließ sich mit weit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen fallen, in das Loch vor ihm, fühlte die kalte Luft, die an ihm während seines Falles vorbeizischte. Der Fall war nicht kurz, lange genug, das Liam seine Entscheidung bereuen konnte, in jeder Einzelheit. Lange genug für Zweifel an seiner Interpretation des Eises. An der Gunst des Eises. An der Gnade des Eises. Doch schließlich endete sein Fall- in einem perfekten, weichen Schneehaufen, der ihn nicht enttäuschte- sondern den Fall absolut weich abbremste. Er blickte sich um- ohne Erfolg, denn hier unten war es stockfinster. Gerade glaubte er sich wieder nur auf seinen neuen Sinn verlassen zu müssen (denn seine Ausrüstung lag noch oben, zusammen mit dem Rest seiner Kleidung). Glaubte, sich nur mithilfe des Schneesinnes durch die Dunkelheit tasten zu müssen. Aber da leuchtete erneut ein Rot durch die Finsternis. Ein rotes Licht, das kurz die Felsspalte erleuchtete. Ihn kurz seine Umgebung sehen ließ- mehr erahnen ließ. Der Anhänger, den er oben gefunden hatte. Doch so schnell das Licht kam, genauso schnell erlosch es wieder. Aber es war ein Licht- und Liam hatte eine Vermutung. Schloss die Faust um das Licht, ließ Magie hineinfließen- und mit einem leichten Flackern erwachte der Stein. Begann er zu glühen, zunächst zögerlich, dann nach und nach immer heller, bis der Weg vor ihm fast taghell von dem kleinen, roten Stein erhellt wurde- und er seinen weiteren Weg deutlich erkannte.

Vor ihm lag ein Gang, der nicht alleine von den Kräften der Gezeiten erschaffen worden war. Die Wände hier unten waren glatt behauen, so dass sie gerade standen, und in den Wänden waren Zeichen und Runen eingelassen, die Liam nicht verstand- und die vollständig mit Eis ausgefüllt waren, auch hier eindeutig nicht von natürlichem Eis zugefroren, sondern glatt mit magischem Eis aufgefüllt. Der Eismagier drehte sich im Kreis, staunend und von einer Faszination erfüllt, die er lange nichtmehr besessen hatte. Nicht nur war das, was ihn umgab, ein Projekt an dem dutzende Magier für mehrere Jahrzehnte beschäftigt gewesen wären. Nein. Er hatte lange genug in Steinbrüchen und bei Steinmetzen gearbeitet um zu wissen wie viel Arbeit alleine die Verzierungen gewesen wären. Wie unendlich anstrengend und nervenaufreibend es gewesen sein musste, die filigranen Verzierungen in den Stein zu arbeiten, und was für ein absolut vollendeter, fast unglaublicher Meister es gewesen sein musste, der diese Arbeiten angefertigt hatte. Und der Eismagier in ihm, der jahrelang das Formen des Eises studiert und praktiziert hatte, wäre beinahe vor Ehrfurcht in die Knie gegangen, so absolut perfekt waren die Zauber in die Wände eingelassen worden, so perfekt, dass sie absolut nahtlos sich in den Stein einfügten- und so stabil und fest gefroren, dass nichtmal seine Körperwärme, als er ehrfürchtig über die Wände strich, nur den kleinsten Kratzer hinterließ. Er blickte sich genauer um- und bemerkte Dinge, die sein Herz schmerzen ließen. Der Spalt über ihm war nicht Teil des Gesamtwerkes gewesen. Der Spalt über ihm war durch gewaltige Kräfte entstanden, die die meterdicke Decke durchdrungen hatten. Überall um ihn herum lagen noch Trümmer- und das Tor, vor dem er, wie er erst jetzt bemerkte, stand war völlig eingestürzt- so dass man nur an wenigen Stellen noch das kunstfertig verzierte, dunkle Holz hinter dem Haufen Steine (die wohl auch zum Teil einfach in diese Richtung gestapelt worden waren) erkannte. Aber wo war er hier gelandet? Was war das für ein Ort? Einst musste hier zumindest ein mächtiger Magier des Eises gelebt haben- aber wenn er die schiere Menge der Eisintarsien, die er alleine jetzt schon im Schein des roten Steines erkennen konnte, bedachte so mussten es mehr gewesen sein als ein einziger Meister- er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass ein einzelner Mann so viele Arbeiten hatte vollenden können (allerdings war es für ihn auch schwer zu glauben, dass man an einem Ort mehrere Magier solcher Kunstfertigkeit finden konnte...). Und einen so gigantischen Ort würde man nicht alleine bewohnen. Konnte man nicht alleine bewohnen, ohne dass er völlig verwahrlosen würde. Langsam folgte er dem Gang. Kam an noch mehr kunstvollen Arbeiten vorran. Irgendwo hatte er ähnliche Architektur schon gesehen- aber immer wenn er versuchte, diesen Gedankenstrang zu greifen entwischte er wie die Gesichter derer, die seine Erinnerungen beim Aufstieg hervorgebracht hatten- dieses Mal war der von Amnesie Geplagte aber nicht so dumm, nach den Erinnerungen zu greifen, wusste dieses Mal, dass es nur zu noch mehr Kopfschmerzen führen würde, und dass er diese Erinnerung selbst dann nicht zu greifen bekäme wenn er seinen Kopf bis zum Platzen anstrengen würde.

Langsam ließen die Zerstörungen nach, je tiefer er in den Gang kam. Immer wieder war er an eingestürzten Türen vorbeigekommen, die sich selbst mit magischer Hilfe nicht hätten freilegen können- und immer wieder war er auch an Stoffstücken unter dem Geröll vorbeigekommen, die verdächtig an Kleidungsstücke Verschütteter erinnerten. Ein Wenig machte ihm die Zerstörung Angst- diese Steine waren zu kunstvoll behauen als dass ein schlichtes tektonisches oder verschleißbedingtes Problem der Grund für so großflächige Zerstörung sein konnte. Irgend etwas sagte ihm, dass die Decke mit purer Gewalt eingeschlagen worden war- und die Kraft, die nötig gewesen wäre sich durch so dicken, und so harten Stein zu kämpfen, ließ ihn kurz schaudern, während er seinen Weg durch den Fels fortsetzte.  Die ersten Türen kamen in Sicht, die nicht von Fels und Trümmern blockiert waren. Ein Blick hinein verriet allerdings ihre enttäuschende Schlichtheit- lange Säle, vollgestellt mit gleichförmigen, wenngleich kunstfertigen Betten und Schränken. Er kannte solche Schlafräume- aus Kasernen und Lehreinrichtungen. Meistens waren diese Säle mit deutlich billigeren Möbeln bestückt- die Möbel in diesem Raum waren über und über mit Schnitzereien und Intarsien verziert, ebenso wie die Schränke. Neugierig warf er einen Blick in einen der Schränke- dessen Inhalt ebenso langweilig wie aufschlussreich war. Darin hing eine Robe- die nach einigen Kontrollblicken den Roben, die in den anderen Schränken hingen, bis auf die letzte Faser glich. Das hier war ein Ort der Ausbildung oder des uniformierten Dienstes- und für Soldaten waren die Roben zu unpraktisch. Also war hier irgend etwas oder irgendjemand ausgebildet worden- wohl eine Art von Gelehrtenschaft oder von Priestern. Aber was wurde hier erforscht- oder was hatten die Priester verehrt? Wer konnte an einem so abgelegenen Ort eine Akademie oder einen Tempel unterhalten- und ihn dennoch in Vergessenheit verschwinden lassen? Die Meisten Kulte, die heute noch aktiv waren, hätten wohl kaum eine ihrer Kultstätten so verwahrlosen lassen. Und die Akademien der Länder wären wohl auch nicht einfach so Hals über Kopf verlassen worden- denn auf einigen der Betten und Nachttische standen noch die Überreste von Essen. War das hier eine Sekte oder ein verbotener Kult gewesen? Und warum wollte seine Magie, dass er das hier fand? Was hatte das hier mit seinem Wunsch, stärker zu werden zu tun? Was auch immer er hier fand- es schien tot. Tot und vergessen. Gedankenverloren strich er durch den Stoff der Robe. War das Wissen dieses Ortes nicht auch mit ihm gestorben? Er glaubte nicht daran, dass es hier noch jemanden gab der lebte- dafür war der Ort zu sehr dem Verfall preisgegeben worden, zu sehr heruntergekommen. Was hier geschehen war, war mindestens ein Jahrhundert her- und niemand würde hier ein Jahrhundert so leben. Aber es musste niemand hier leben. Langsam begann es Liam zu dämmern. Wenn das hier eine Akademie gewesen war, so hatte man sicher auf Lehrmittel zurückgegriffen- Bücher. Schriftrollen. Alle möglichen Formen von Aufzeichnungen. Und diese musste er nur finden- irgendwo in diesem Komplex würde es mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit eine Bibliothek geben. Mit neuem Elan setzte er sich in Bewegung- machte er sich auf die Suche nach der verstecken Bibliothek.

Doch dies erwies sich als schwieriger als gedacht- schon allein ob der Größe des Komplexes. Er war sicher schon eine halbe Stunde durch die verdammten Hallen geirrt- und hatte nichts als Schlafräume und verwitterte Räume voller Bänke und Stühle gefunden, die wohl als Vorlesungssäle genutzt worden waren. Die Runen, die wohl der Navigation dienten, waren für ihn immer noch völlig unleserlich- und vom Aufbau einer Akademie hatte er weniger als keine Ahnung. Für einen Moment ließ er sich in einem der Räume resigniert auf dem Pult nieder. Versuchte es jedenfalls- und fand sich in einer Wolke aus Staub und Holzsplittern wieder, als das Pult nachgab. Fluchend rappelte er sich wieder auf. Klopfte sich die Kleidung sauber- und leitete noch ein bisschen mehr Magie in den roten Stein, auch wenn er merkte, dass seine Magie schwächer wurde. Ratlos blickte er sich um- und entschloss sich zu einer Pause, bis seine Kopfschmerzen durch den magischen Entzug schwächer wurden. Hier hatte er genug Holz um eine kleine Feuerstelle zu errichten- und so verbrachte er einige Zeit damit, Pulte und Stühle zu zertrümmern und auf ein immer weiter wachsendes Feuer zu werden. Einen Moment lang erlaubte er sich, die Wärme zu genießen. Einfach an die Wand gelehnt neben seinem Feuer zu sitzen und zu genießen, einen Augenblick nichts tun zu müssen, die strapazierten Muskeln ausruhen zu können, sogar einen Augenblick dösen zu können, mit geschlossenen Augen und einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht. In solchen Situationen waren es die kleinen Dinge die Freude brachten. Aber ihm war bewusst dass er es sich nicht leisten konnte lange Pause zu machen. Sicher war Chizuka schon ausser sich vor Sorge. Er hätte ihr einen Zettel zurücklassen sollen, irgendetwas, dass er länger weg sein würde- und dass sie vielleicht mit dem Essen nicht auf ihn warten sollte. Mühsam erhob er sich. Schob das Feuer ein Wenig auseinander, so dass es etwas schneller ausgehen würde, und machte sich wieder auf die Suche, dieses Mal mit einem Stuhlbein als improvisierte Fackel, die ihm zumindest ein klein wenig improvisiertes Licht spendete. Aber immer noch kannte er keine Richtung- keine Möglichkeit, anders als zufallsbestimmt irgendwo hinzufinden. Also wanderte er weiter durch die Gänge. Und wurde stutzig, als er einen Lichtschimmer am Ende einer Reihe unauffälliger Räume, aufgereit an einem Gang, entdeckte. Was könnte das an diesem Ort sein? Dass hier jemand lebte wollte Liam immer noch nicht glauben- aber trotzdem machte er sich bereit. Löschte die Fackel, prüfte seine magischen Reserven, und zog das bewährte Jagdmesser aus seiner Scheide. Es könnten Plünderer sein, die nach Schätzen hier suchten- und die meisten Plünderer, die er kennen gelernt hatte, waren wenig gut auf Zeugen oder Konkurrenten zu sprechen gewesen. Vorsichtig näherte er sich dem Schein- bereit, alles abzustechen was es wagen würde ihn anzugreifen, oder auch was auch immer da vorne lauerte mit einem kühlen Empfang zu begrüßen. Immer näher kam er dem Licht, das viel zu ruhig war als dass es von einem Feuer sein konnte- irgendeine magische Quelle spendete dem Raum Licht.

Je näher er dem Licht kam, desto seltsamer fühlte er sich. Wenn dort vorne jemand wäre, hätte er vermutlich längst irgendein Lebenszeichen gehört- ein Atmen, ein Scharren, irgend etwas- vielleicht nur einen Schatten der sich durchs Licht bewegt hätte. Aber dort vorne war nichts. Absolute Stille, absolute Bewegungslosigkeit. Aber was machte ein Licht hier unten, ohne jemanden der sich darum kümmerte? Sollte hier tatsächlich seit so langer Zeit ein einsames Licht brennen, ohne dass jemand es benötigt hätte- ein Relikt der vergangenen Bewohner, die es nur vergessen hatten auszuschalten? Ganz daran glauben wollte er nicht- aber ohne es zu wollen wurde er ruhiger, senkte sein Adrenalinspiegel sich wieder. Er ärgerte sich über sich selbst. Darüber, dass er schon so früh die Deckung wieder fallen ließ. Noch einmal hielt er inne, lauschte genauer, blickte in Richtung der Schatten, ob sich nicht doch etwas bewegte- aber da war nichts. Absolut nichts, keine Bewegung, kein Geräusch, kein Garnichts. Er wagte sich weiter nach vorne, die schweissnasse Hand immer noch um das Messer geschlossen, immer noch bereit, sich allem, was ihn erwartete, zu stellen. Langsam kroch der Raum in sein Blickfeld. Kroch die Halle, die er vor sich hatte, in seine Sicht- auch wenn er die Quelle des Lichtes immer noch nicht sehen konnte. Er erkannte die gigantischen Ausmaße der Halle (die auf der anderen Seite in einen weiteren Gang mündete). Die hier noch zahlreicheren Verzierungen und verwirrenden Runen in den Wänden, die zwar auch schwach glommen- aber sehr offensichtlich nicht die wahre Quelle des Lichtes waren. Diese lag noch immer verborgen- aber für den Moment genügte Liam auch der Eindruck unglaublicher Größe, den er schon jetzt von dem Raum vor sich hatte- bei dem er bislang die Höhe nichteinmal zu erahnen vermochte, so hoch ragte er in die Luft, so gigantisch waren die Dimensionen, die er dabei nichtmal in ihrer vollen Größe zu sehen bekommen hatte. Was war das für ein Ort, an dem man solch gigantische Bauten in den Fels hämmerte? Warum eine Akademie hier? Und welcher kranke Geist hatte sich das ausgedacht, umgesetzt und es dann einfach verlassen? Unruhig schlich er weiter auf das Licht zu. Er hatte kein gutes Gefühl- und es wurde nicht besser, als er immer noch niemanden erkennen konnte, dafür aber eine Reihe von Statuen auf Sockeln aus purem Marmor, die berobte, langbärtige Männer mit Kapuzen darstellten. Dabei beunruhigte ihn weder die Existenz der Statuen wirklich, noch beunruhigte ihn der Umstand, diese Statuen hier zu finden. Er wusste bereits, dass große Magier zu noch größeren Einbildungen über ihr Talent und ihre Wichtigkeit für die Welt neigten. Hatte diese Hybris schon oft genug selbst erlebt- und war vor dieser Gefahr, seine eigenen Talente zu überschätzen auch nicht gefeit. Nein. Was ihn beunruhigte war erneut die Kunstfertigkeit der Statuen, die jede Falte, jede noch so kleine Unebenheit im Gesicht der Dargestellten abbildeten. Und der Umstand, dass auch diese Statuen hier aus firnglänzendem, purem Eis bestanden- und er sich nicht vorstellen konnte, wie jemand eine so über alle Maßen perfekte Statue herstellen konnte, geschweige denn das gute halbe Dutzend, dass er jetzt schon sehen konnte, oder die Schwesterstatuen, die wohl noch im Schatten der Mauern sich seinem Blick entzogen.

Erst als er vollständig den Raum betreten hatte begriff er dessen vollständige Ausmaße- und erstarrte vor Ehrfurcht. Die Wände schienen endlos nach Oben zu führen, schließlich in einer riesigen Kuppel aus dünn gefertigtem, offenbar magisch gehärtetem Eis zu gipfeln, die Wände waren mit über einem Dutzend Statuen zu beiden Seiten gesäumt, und als er den Dreck mit dem Stiefel vom Boden wischte, erkannte er ebenso feine Einlegearbeiten aus Eis wie er sie schon in den Wänden bewundert hatte. Der Raum war nicht nur riesig hoch- sondern führte auch tief in der Länge zu der Quelle des Lichtes. Vor Liam stand eine weitere Statue- die wohl gleichzeitig Grund für die Höhe des Raumes wie auch Hommage an irgendeine wichtige Person war. Sie war nicht nur gigantisch, und das bei wieder einmal einer beängstigenden Detailtreue. Nein. Die ganze Statue aus belebtem Eis leuchtete, spendete ein warmes, ruhiges Licht, dass den gesamten, riesigen Raum erhellte. Diese Statue war keine gewöhnliche Huldigung. In ihr war so viel Magie gespeichert, hatten sich so viele Magier verausgaben müssen um sie zu erschaffen, sie aufzuladen, sie in dieser Perfektion hinzubekommen. Für die Menschen musste der Mann, der dort dargestellt war, eine Art Gott, ein Papst, ein Messias gewesen sein. Respektvoll (und zutiefst beeindruckt) näherte sich Liam der Tafel aus (wie er vermutete) purem Gold, wischte den Staub von den Schriftzeichen- und knurrte enttäuscht auf. Wieder einmal konnte er die Schriftzeichen nicht entziffern. Immer noch waren die seltsamen Runen für ihn absolut unmöglich zu identifizieren. Er schluckte seinen Zorn runter, beruhigte sich ersteinmal, ehe er weiterging, auf die Statue zuschritt. Vorsichtig über das Eis strich- und sich fragte, wie bei allen Königreichen sie es so stabil bekommen hatten. Es war nahezu unmöglich für ihn Eis zu erschaffen das einige Tage hielt- und dieses Eis hier stand hier seit Jahren, und war noch dazu hart wie Stein. Wer war in der Lage dem Eis nicht nur eine eigene Magie innewohnen zu lassen (immerhin leuchtete es so hell wie eine magische Lampe- ohne dass die Statue so oft aufgeladen werden musste) sondern es noch dazu über so lange Zeit stabil wie einen Stein stehen zu lassen? Für seinen nächsten Schritt musste er sich sehr überwinden- zu groß der Respekt vor der Statue. Und in seinem Geist formulierte er auch schon eine Entschuldigung, während er den Hammer und eines der Steigeisen aus der Tasche kramte, es an das Eis der Statue ansetzte- und mit einem Aufheulen des bionischen Armes den Hammer auf das Steigeisen hinabsausen ließ, fest genug, dass es den Stahldorn vermutlich bis zum Anschlag in eine Felswand treiben würde. Und Liam revidierte seine Einschätzung. Blickte auf das verbogene, nun schrottreife Stück Stahl in seiner Hand. Und korrigierte seine Einschätzung auf "eine Statue, deutlich stabiler als alle Steinarten die er bisher kennen gelernt hatte." Am Liebsten hätte er noch weiter verweilt. Aber er wollte nicht ewig hier verbleiben. So griff er sich seine Ausrüstung. Und verließ, mit einer gewissen Wehmut im Herzen, den Raum durch die zweite Tür wieder, tiefer in die Akademie.

Was folgte war eine ganze Reihe unbedeutender Räume- Büros, Vorlesungssäle, sogar noch ein weiterer Schlafraum. Nichts, was einer genaueren Inspektion würdig war. Aber seine Magie wollte ihn immer noch weiter in den Komplex ziehen- und er folgte ihr inzwischen blind, war klug genug diesem neu entwickelten Instinkt zu vertrauen. Die Kälte fühlte sich immer vertrauter an- war schon in der Nähe der Statue von großer Stärke gewesen. Aber worauf auch immer er zuging, es musste etwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben. Musste irgendetwas mit den Jahren, an die er sich nicht erinnern konnte, zu tun haben- aber was sollte er hier finden? Was konnte in diesem Tempel für ihn noch von Bedeutung sein- einem Tempel, in dem er nichtmal die Schrift kannte? Trotzdem ging er weiter. Er war schon viel zu weit gekommen, als dass er jetzt umdrehen konnte. Und langsam kam das in Sicht, was er eigentlich gesucht hatte. Er kam zu einem Raum, dessen Wände mit Hundertschaften von Büchern und Schriftrollen in deckenhohen Regalen zugestellt waren, mit langen Reihen von Tischen, auf denen noch immer aufgeschlagene oder gestapelte Bücher ruhten, so wie die einstigen, immer noch rätselhaften Bewohner dieses Ortes sie zurückgelassen hatten. Forschend ging der Magier des eisigen Elementes die Wände entlang. Blickte auf die Buchrücken, enttäuscht, das auch hier viele in der unbekannten Schrift geschrieben waren- und von Neuem motiviert, auch einige Bücher in seiner Schrift, in einer verständlichen Sprache entdeckt zu haben. Mit einem respektvollen, aber energischen Schieben räumte er sich einen Leseplatz frei, überprüfte eine der magischen Lampen über den Plätzen- und brachte sie mit einigem Stolz und einer kleinen Menge Magie zum Leuchten. Zunächst blätterte er nur in dem Buch. Überflog die Seiten, die von der Natur des Eises handelten. Suchte nach interessanten Stellen. Stellte es schließlich zurück ins Regal, suchte weiter- er fühlte dass die Kälte, die diesen Ort beherrschte, die ihn hier her geleitet hatte, wollte das er hier etwas fand. Und immer mehr merkte er auch, dass es nicht wirklich seine Magie war die ihn leitete. Sie war vertraut wie seine Magie- aber doch anders, je mehr er darüber nachdachte. In einer Wolke aus Staub wuchtete er das nächste Buch auf seinen Platz, kurz darauf einen weiteren Wälzer- und langsam musste er einsehen dass das nichts brachte. Dass er so nicht vorrankam- denn auch wenn er aus den Büchern viel zu lernen vermochte, so würde er Tage brauchen um das Richtige zu finden- war schon jetzt seit Stunden hier unten, ohne etwas gefunden zu haben. Er musste es anders lösen- und versuchte es, indem er sich auf die fremdartige Magie dieses Ortes erneut so einließ, wie er es bei ihrem ersten Aufeinandertreffen, in jenem Moment, als sie ihn hier heruntergeführt hatte, getan hatte. Und tatsächlich. Er bekam fürs Erste eine Richtung. Folgte ihr bis zu einem Regal- das aber wohl nicht sein Ziel war, denn die Magie zog ihn weiter. Ratlos starrte er die Bücherwände an. Zog probeweise an dem Regal- das wohl festgeschraubt war. Lehnte sich schließlich nachdenklich gegen einen der magischen Leuchter an der Wand. Und landete schmerzhaft auf dem Hintern, als dieser nachgab.

Der Mechanismus hatte offenbar eine Geheimtür in Gang gesetzt- denn vor Liam tat sich nun ein schmaler Gang auf, der tiefer in den Berg führte. Hier waren die Wände tatsächlich normaler Fels, keine bildhauerischen Meisterleistungen. Vorsichtig näherte sich der Eismagier. Ließ den roten Edelstein wieder aufflammen- denn in dem Gang war es absolut finster. Immer tiefer ging es in die Felsen- und ein seltsames Gefühl wallte in ihm auf. Offenbar schien das magische Phänomen was ihn leitete sich hier zuhause zu fühlen. Er war auf dem richtigen Pfad- und als ob die Wunder, die er heute erblickt hatte, nicht genug waren trat er in einen Raum, noch beeindruckender als die Statue in der großen Halle. Dieser Raum hier war von der Bearbeitung her nicht mehr als eine große Höhle. Aber was in dieser Höhle auf  ihn wartete, war kaum weniger als ein Wunder. Vor ihm stand ein Baum, ein Baum aus feinem, perfekt gearbeitetem Eis- so perfekt gearbeitet, dass er auf der Innenseite die Jahresringe sehen konnte? Nein. So gerne er es auch glauben würde. Er spürte dass das hier keine Statue eines Baumes war. Dies hier war ein gewachsener, echter Baum- nur aus purem, reinem Eis. Aber wie war das möglich? Die Bäume und Pflanzen waren doch seit jeher ein Element der Magie des Humus gewesen- die sich selten mit der Eismagie verstand, nahezu einen Gegensatz bildete- die zerstörerische, harte Kälte und die lebensspendenden Pflanzenmagien.

Der Mechanismus hatte offenbar eine Geheimtür in Gang gesetzt- denn vor Liam tat sich nun ein schmaler Gang auf, der tiefer in den Berg führte. Hier waren die Wände tatsächlich normaler Fels, keine bildhauerischen Meisterleistungen. Vorsichtig näherte sich der Eismagier. Ließ den roten Edelstein wieder aufflammen- denn in dem Gang war es absolut finster. Immer tiefer ging es in die Felsen- und ein seltsames Gefühl wallte in ihm auf. Offenbar schien das magische Phänomen was ihn leitete sich hier zuhause zu fühlen. Er war auf dem richtigen Pfad- und als ob die Wunder, die er heute erblickt hatte, nicht genug waren trat er in einen Raum, noch beeindruckender als die Statue in der großen Halle. Dieser Raum hier war von der Bearbeitung her nicht mehr als eine große Höhle. Aber was in dieser Höhle auf  ihn wartete, war kaum weniger als ein Wunder. Vor ihm stand ein Baum, ein Baum aus feinem, perfekt gearbeitetem Eis- so perfekt gearbeitet, dass er auf der Innenseite die Jahresringe sehen konnte? Nein. So gerne er es auch glauben würde. Er spürte dass das hier keine Statue eines Baumes war. Dies hier war ein gewachsener, echter Baum- nur aus purem, reinem Eis. Aber wie war das möglich? Die Bäume und Pflanzen waren doch seit jeher ein Element der Magie des Humus gewesen- die sich selten mit der Eismagie verstand, nahezu einen Gegensatz bildete- die zerstörerische, harte Kälte und die lebensspendenden Pflanzenmagien. Wie war das möglich? Einige Minuten lang starrte er das Gebilde einfach an- aber merkte dass es sinnlos war. Er kannte sich nicht gut genug mit Pflanzen aus- das war die Domäne seiner Schwester. Aber er konnte immerhin eine Probe nehmen- in Form eines wunderschönen Apfels aus Eis, dessen Innenleben perfekt zu erkennen war. Vorsichtig wollte er einen Bissen probieren- aber es zeigte sich: Der Apfel war genauso hart wie er aussah. Genauso hart wie ein Apfel aus Eis. Also sah er sich weiter im Raum um. Erforschte die Ecken und das knappe Mobiliar. Entdeckte noch einen schmalen Schreibtisch, der mit Zeichnungen und Notizen übersäht war. Und kurz entschlossen packte er sie alle ein. Griff sich einfach jedes einzelne Stück Papier, die beiden dicken Tagebücher und den kleinen Beutel mit eisartigen Samen. Das musste er seiner Schwester zeigen- und vielleicht würde es auch einen Weg geben, dass jemand ihm bei dem Entziffern der Runen helfen würde. Gerade wollte er sich auf den Rückweg mache- da fiel ihm ein einzelner, kleiner Topf auf, der ebenso mit den Zeichen überzogen war. Er wollte ihn gerade achtlos einpacken- da schob er aus einer intuitiven Laune heraus zunächst einen der Apfelbaumsamen hinein. Packte ihn erst jetzt in die Tasche, in der Hoffnung, aus diesem Samenkorn würde auch so ein Baum wie in der Höhle wachsen.
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Duncan Neamh
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BeitragThema: Re: Hoher Berg   Sa Apr 25, 2015 10:25 am

Mit seinen neu eroberten Samen machte sich der Magier des eisigen Elementes auf, einen Ausgang aus diesem Tempel der Sonderbarkeiten zu suchen. Das, was ihn gerufen hatte hatte er gefunden- und er hatte nicht das Gefühl, dass es hier noch viel für ihn zu finden gab. Nicht lange ließ der Ausgang auf sich warten- faktisch war er im Kreis gegangen. Verkehrt herum. Und so musste er nur wenige Türen passieren um wieder zu der verschütteten Tür zu kommen- immer noch so klug wie vorher wie er hier wieder herauskommen sollte. Der einzige Ausgang war mit wenig diskussionsbereitem, massivem Felsen blockiert- der Weg, den er bestritten hatte als er hier hinein gekommen war in unerreichbaren Höhen, die Wände zu glatt sie zu erklettern. Nachdenklich lehnte er sich an die Wand. Auf dem Weg durch den Tempel hatte er keine weiteren Ausgänge gesehen. Sollte er wirklich hier festsitzen? Sollte er in einen Tempel des meisterhaften Eises verschüttet sein? "Kennst du einen Weg hier heraus?" fragte er den Blumentopf in seinen Händen, den er schon seit einigen Minuten versonnen streichelte. Stutzte. Redete er mit einem verdammten Blumentopf? Einem unbelebten Objekt, das wohl weder physisch, noch vom gedanklichen Volumen in der Lage war, ihm zu antworten? Er musste langsam verrückt werden. Und das führte ihn zu dem Schluss- er musste hier raus. Er versuchte es mit einer Leiter. Erschuf sie aus stabilem Eis, so hoch wie er es vermochte- und erreichte nichtmal im Ansatz den Rand. Die Steigeisen, die er erschuf, fanden keinen Halt in der Wand. Und der Versuch, doch noch einen anderen Ausgang zu finden brachte ihm nichts als eine verlorene Stunde Zeit. Wie sollte er hier nur jemals herauskommen? Um die Steine wegzuräumen fehlte ihm die Konzentration. Oder? Seine magische Kraft war hier drin gestärkt worden. Und dieser Ort schien auf seine Magie von vorneherein besser anzusprechen. Sollte er es versuchen? Er musste es versuchen. Langsam ließ er in seiner Hand eine firnglänzende Kugel entstehen. Schob sie mit dem Finger zwischen die Steine- und ließ sie langsam anwachsen. Zunächst geschah nichts. Wackelten die Steine kaum. Doch dann kam Bewegung in die Sache. Begannen die Felsen sich langsam zu verschieben- verdrängt von der massiven Kraft des Eises. Aber ohne einen Ort, an den er sie ablegen konnte, fraß diese Aktion eine Menge Kraft- und der Tunnel, den er entstehen ließ, würde nicht lange halten. Hastig drückte er sich durch das Gebilde aus Eis, auf dem die massiven Trümmer lagen wie ein todbringendes Damoklesschwert. Mit einem kurzen Aufkeuchen schaffte er es aber schließlich doch noch durch einen Spalt in der Tür. Mit einem Donnern krachten die Felsen hinter ihm auf den Boden. Schwer atmend drückte er sich gegen die Wand, brauchte einen Moment zum Verschnaufen. Dann ging er weiter. Folgte dem Pfad, der sich hinter der verschütteten Tür entwandt. Immer mehr begann der Wind zu blasen. Sich an den Felsen um ihn herum zu brechen, und die Schneeflocken, die hier wieder zu sehen waren, durch die Luft zu wirbeln. Es wurde immer kälter. Und immer weniger konnte er sehen.

Vor sich sah er die Pfeiler einer alten Brücke aufragen. Näherte sich ihnen, ließ sich in ihrem Windschatten für einen Moment nieder- und blickte auf einen Abgrund. Die Brücke war schon vor langer Zeit den Gezeiten zum Opfer gefallen- und erneut schien der einzige Weg zurück ins Tal anstrengende Kletterei zu sein. Für den Moment wollte er den Schneesturm abwarten. Aber der Schneesturm schien kein Ende finden zu wollen. Selbst nach Minuten des Wartens war er eher schlimmer geworden. Sollte er den Abstieg wagen?
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BeitragThema: Re: Hoher Berg   Mo Jul 11, 2016 9:20 pm

cf: Quest
Nach seinem Quest mit Kiara entschied sich der Magier erst einmal dafür der Gilde und der Zivilisation wieder einmal den Rücken zu zukehren und sich in die behütenden Arme der Natur zurückzuziehen. Kaum hatte er Magnolia Town hinter sich gelassen und war in die frei mehr oder weniger unberührte Natur eingetaucht, atmete er auf. Zufrieden schlenderte er durch den Wald immer die Augen offen haltend ,ob Mutter Natur ihm nicht doch einen Bären oder etwas ähnliches zum Spielen vorbei schickte. Doch diese Hoffnung blieb leider unerfüllt, aber davon ließ Guren sich nicht runter ziehen und marschierte munter weiter bis sich irgendwann der Wald endete und auch die Sonne zu sinken begann. Da der Silberhaarige nicht sonderlich viel Lust hatte im Dunkeln herumzuirren, entschied er sich dafür für heute Schluss zu machen . Nachdem er sich ein schnelles Lager unter am Waldessrand geschaffen hatte, schlief er auch bald ein . Doch wirklich lange schlief der Magier nicht den mit den ersten Sonnenstrahlen wurde er wieder wach und ging weiter planlos weiter. Nach einiger Zeit entdeckte er einen hohen Berg dessen Spitze er durch die Wolken verdeckte wurde und im allgemeinen nicht sonderlich einfach zu bezwingen aussah. Und schon war sein Ehrgeiz geweckt, doch statt sich einfach zu verwandeln entschied er sich dafür die Herausforderung gänzlich ohne Magie zu meistern. Anfangs konnte er noch Wegen und Trampelpfaden folgen, doch als er die Schneefallgrenze überschritten hatte, verschwanden diese einfach und er musste sich etwas neues einfallen lassen. Doch da der Magier keinen wirklich guten Ausweg fand, zog er sich seine zerrissene Kleider enger an sich und fing an zu klettern. Nicht zum ersten war er sehr dankbar für seine Handschuhe. Zwar war es nicht sonderlich einfach trotzdem kam der Magier gut voran . Ohne sich ein Pause zu gönnen kletterte er immer höher bis er langsam die Belastung spürte. Also machte er eine kurze Pause und suchte sich etwas zu essen. Doch das war schwieriger als gedacht nach einer gefühlten Ewigkeit fand er endlich ein paar Beeren die er schnell verschlang und zog sich dann in eine natürliche Höhle ,die er unterwegs entdeckt hatte, zurück. Obwohl er es nicht geplant hatte, schlief er kaum hatte er sich fern vom Schnee auf den trockenen Steinboden gelegt ein. Als er wieder wach wurde, war regelrecht durchgefroren und damit ihm warm wurde, gab es nur einen Weg. Bewegung. Also kletterte er weiter. Immer höher immer weiter. Zeitweise wollte er aufgeben, doch noch wollte er nicht aufgeben und so trieb er sich immer weiter. Bis er letztlich über den Wolken einen recht großen Vorsprung entdeckte und schließlich erklomm. Von hier aus entdeckte den Gipfel und entschied sich nicht weiter zu gehen. Er hatte ohne jegliche Magie die Wolkendecke durchbrochen und überwunden und dass sollte ausreichen. Nachdem er den Weg nach oben schon ohne Magier geschafft hatte, gönnte er sich den Abstieg einfacher zu gestalten. Schnell verwandelte er sich in das kristalline Biest und schwang sich  von seinem Vorsprung in die Tiefe. Erst sah er die Wolken auf sich zu rasen und nachdem er diese durchbrochen hatte, bot sich ihm ein wahrlich einzigartiger Anblick. Unter ihm erstreckte sich Fiore in seiner ganzen Pracht. Um diesen Anblick noch ein wenig länger genießen zu können, begann er jetzt schon zu fliegen. Und so glitt er langsam Richtung Boden sah sich in aller Ruhe um. Die Natur und Landschaft waren ein Bild für ihn an dem er sich einfach nicht nicht satt sehen konnte. Doch wie alle schönen Dinge musste auch seine Reise Richtung Boden irgendwann ein Ende finden. Zufrieden mit sich selbst setzte er seine Reise fort, kaum dass er festen Boden unter sich hatte.
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